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Merkurbergbahn

Aus Stadtwiki Baden-Baden

Zweigleisiger Abschnitt Mittelstation
Werbegrafik für die Merkurbergbahn von 1913

Die Merkurbergbahn (auch Merkurbahn) ist eine Standseilbahn in Baden-Baden. Sie bringt die Fahrgäste in 4 Minuten auf den Baden-Badener Hausberg Merkur und macht den Merkurgipfel mit seinem Aussichtsturm zu einem beliebten Ausflugsziel. Mit einer Streckenlänge von 1.192 Metern und einer maximalen Steigung von 54% gehört die Merkurbergbahn zu den längsten und steilsten Standseilbahnen in Deutschland.

Nutzung[Bearbeiten]

Die Merkurbergbahn ist täglich von 10 bis 22 Uhr, sowie nach Vereinbarung geöffnet. Die Merkurbergbahn verkehrt fahrerlos. Die Abfahrt erfolgt auf Wunsch oder automatisch. Tickets sind am Kiosk in der Talstation oder an den Automaten in der Berg- oder Talstation erhältlich. Es gibt Tickets für Einzelfahrten (Erwachsener: 2 €, Kind: 1,30 €) oder Hin- und Rückfahrten (Erwachsener: 4 €, Kind: 2 €).[1] Daneben gibt es auch Familienkarten und weitere Tarife. Die Merkurbergbahn ist nicht rollstuhlgeeignet. Kleine Hunde können in einem geschlossenen Behältnis kostenfrei mitfahren, für größere Hunde wird der Kinderfahrpreis fällig.

Bei der Anfahrt mit dem PKW gibt man am besten die Markgrafenstraße in Baden-Baden als Adresse ins Navigationsgerät ein. Die Talstation befindet sich am östlichen Ende der Markgrafenstraße. Der Weg dorthin ist aber auch gut ausgeschildert. Parkplätze sind an der Talstation ausreichend vorhanden. Alternativ nimmt man einen Bus der Linie 204 oder 205. Hier bietet sich die Kombikarte an, die die Fahrt mit dem Bus und mit der Merkurbergbahn abdeckt.

Besonders schön ist die Fahrt im April und Mai, wenn die großen Rhododendronbüsche entlang der Fahrbahn blühen. Im Winter werden die Waldwege rund um den Merkur zur Rodelbahn und man kann mit dem Schlitten zurück ins Tal fahren.[2]

Nachdem Orkan Lothar auf dem Merkurgipfel zahlreiche Bäume umgeworfen hatte, konnten dort Startplätze für Gleitschirmflieger eingerichtet werden. Die Merkurbahn bringt die Flieger samt Ausrüstung bequem zu ihrem Startplatz, die hierzu eine Fliegerkarte lösen. Der Landeplatz liegt in der Nähe der Talstation. Mit der Webcam[3] der Gleitschirmflieger kann man die Verhältnisse am Merkur vor dem Besuch prüfen.

Geschichte[Bearbeiten]

Wanderziel Merkurgipfel[Bearbeiten]

Der Merkur war schon lange Zeit das Ziel von Wanderern. Der anstrengende Aufstieg verhinderte aber, dass viele Menschen in den Genuss des Ausblicks kamen. Alois Schreiber schrieb 1811, der Mercurius sei "beschwerlich zu besteigen" und riet dem Leser vom Besuch ab.[4] Dem gegenüber widmete Johann Ludwig Klüber 1810 dem Merkur ein ganzes Kapitel, verwies auf den dort gefundenen römischen Weihestein und pries die Aussicht.[5] Mit dem Bau des ersten Aussichtsturms auf dem Merkur 1837 nahm dessen Attraktivität als Ausflugsziel weiter zu.

Erste Pläne für eine Merkurbergbahn[Bearbeiten]

Als bedeutende internationale Kurstadt des 19. Jahrhunderts stand Baden-Baden in einem heftigen Konkurrenzkampf mit den anderen Kurstädten und Modebädern in Europa und war daher sehr daran interessiert seinen Gästen die schönsten und modernsten Attraktionen zu bieten. Als im Jahr 1872 das Spielbankverbot in Kraft trat, verlor die Stadt mit dem Casino ihre Hauptattraktion und wichtigste Einnahmequelle. So war man neuen Ideen gegenüber in dieser Zeit wohl sehr aufgeschlossen.

Der Holländer van Baalen schlug 1873 erstmals vor eine Bahn auf den Merkur zu bauen und nahm erste Gespräche mit einer Schweizer Bergbahnenfirma auf. 1874 veröffentlichte er eine Broschüre mit dem Titel "Projekt eines Eisenbahn-Bau-Unternehmens auf den Merkur". Im Jahr 1875 konnte van Baalen die Pläne der Schweizer Firma dem Stadtrat vorlegen. Sie sahen eine Eisenbahnlinie mit einer Gesamtlänge von 3.900 Metern vor, die an der Sophienstraße begann und über Ebersteinburg zum Merkurgipfel führte. Auf dieser Linie sollte eine Dampfeisenbahn verkehren. Auf dem Merkurgipfel plante er ein Luftkurorthotel. 1876 konnte van Baalen noch die Zustimmung der großherzoglichen Regierung in Karlsruhe und des Bürgerausschuss in Baden-Baden erreichen, doch danach verlief das Projekt im Sande. Vermutlich fand sich keine Finanzierung für den Bau. Van Baalen hatte bei seinen Anstrengungen, fast sein ganzes Vermögen geopfert. So kamen andere Städte Baden-Baden zuvor. In Ems ging die Malbergbahn 1887 und in Wiesbaden die Nerobergbahn 1888 in Betrieb.[6] Auch die Karlsruher betrieben seit 1888 eine Bergbahn am Turmberg in Durlach.

Planung und Bau der Standseilbahn[Bearbeiten]

Es dauerte rund 36 Jahre bevor die Idee einer Bahn auf den Merkur Wirklichkeit wurde. Die Idee dieser Bahn hatte sich seit den Planungen van Baalens in den Köpfen der Baden-Badener festgesetzt. Im Zuge der Planungen der Baden-Badener Straßenbahn wurde die Idee dann wieder aufgenommen. Am 25. April 1907 legte ein gewisser R. Holzapfel der Stadt Baden-Baden ein Gutachten vor, in dem er die spätere Trasse der Straßenbahnlinie zum Merkur und die der Bergbahn empfahl. In seinen Augen war der Bau der Straßenbahnlinie Grundvoraussetzung für den Bau der Bergbahn. Mit der elektrischen Energie der Straßenbahn, ließe sich auch die Bergbahn elektrifizieren und nur so könne ein rentabler Betrieb gewährleistet werden. Der Bürgerausschuss bewilligte am 16. Dezember 1910 den Bau der Straßenbahnlinie vom Leopoldsplatz zum Merkurwald und im Juni 1911 die Aufnahme eines Kredits über 451.000 Mark und damit den Baubeginn der Merkurbergbahn. Der erste Spatenstich für die Bergbahn fand im Mai 1912 statt. Nach 15 Monaten Bauzeit war die Merkurbergbahn fertig gestellt. Am 16. August 1913 fand die feierliche Eröffnung statt.

Betrieb 1913 bis 1967[Bearbeiten]

Die Merkurbergbahn erfreute sich großer Beliebtheit und so konnten die Einnahmen die Betriebskosten decken. In den Jahren von 1913 bis 1967 beförderte die Merkurbergbahn 5,6 Millionen Personen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bahn ausschließlich von Soldaten benutzt. Auf dem Merkurgipfel waren Soldaten stationiert, die für die Flugüberwachung verantwortlich waren. Ein Luftangriff auf den Merkurgipfel schlug fehl. Im April 1945 wurde der Merkurgipfel von französischer Artillerie beschossen. Dabei wurden der Maschinenraum, das Hotel und der Turm beschädigt. Im Jahr 1955 entdeckte man erste Alterungsschäden an Gleisanlagen und Brücken. Mit Renovierungsarbeiten in den Wintermonaten 1956 bis 1959 gewann man Zeit. Doch bereits 1959 stand fest, dass noch weitere Renovierungen nötig sein würden. Auch die Wagen wurden generalüberholt. Eigentlich wäre eine Neuanschaffung nötig gewesen, doch standen dafür keine finanziellen Mittel zur Verfügung.

Von der Stilllegung 1967 bis zur Wiedereröffnung 1979[Bearbeiten]

Die finanzielle Lage verschlechterte sich bis 1967 weiter. Als dann weitere Investitionen in Höhe von 2 Millionen Mark notwendig wurden, beschloss der Gemeinderat die Einstellung des Betriebs zum 1. November 1967. In den folgenden Jahren waren Merkurbahn und Merkurgipfel verlassen. Viele Baden-Badener setzten sich für eine Wiedereröffnung der Bahn ein und auch so mancher Kurgast erkundigte sich nach dem Verbleib dieser Attraktion.

Am 4. Dezember 1974 wurde dem Gemeinderat ein Konzept zur Reaktivierung der Merkurbergbahn und des Merkurgipfels vorgelegt. Dieses sah vor auf der Trasse der ehemaligen Merkurbergbahn eine Gondelbahn zu bauen. Doch dieser Plan hätte viele Umbauten erfordert und wurde wieder verworfen. Im Juni 1975 entschied man sich für eine Planänderung. Die Merkurbergbahn sollte unter weitgehender Verwendung der vorhandenen Bahnanlagen reaktiviert werden und dann so wartungs- und personalarm wie möglich betrieben werden können. Am 14. September 1977 beschloss der Gemeinderat die Umsetzung des neuen Konzepts. Am 5. Oktober 1977 wurde die Firma Roll, Frankfurt/Bern, als Generalunternehmer mit der Erneuerung der Bahnanlage betraut. Nach 18 Monaten Bauzeit konnte die Bahn am 27. April 1979 wiedereröffnet werden.

Betrieb 1979 bis heute[Bearbeiten]

Seit der Wiedereröffnung fährt die Merkurbergbahn deutlich schneller und fahrerlos. 1997 fand erstmals eine Silvesterveranstaltung auf dem Merkurgipfel statt. Sie wurde gut angenommen und daher wiederholt. Außerdem wurden neue Veranstaltungen eingeführt wie die Ostereiersuche auf dem Merkur oder Nikolausfeiern. Seit dem Jahr 2002 besitzt der Gleitschirmverein Baden e.V. ein eigenes Fluggelände auf dem Merkur und immer mehr Gleitschirmflieger nutzen die Bahn, um auf den Gipfel zu gelangen. Im Januar 2002 wurden die Wagen im Werk in der Schweiz überholt. Dabei fand auch eine Umgestaltung der Wagen statt. In 2011 wurden die Wagen ein weiteres Mal im Werk in der Schweiz überholt. Aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen wird diese Prozedur in der Zukunft alle 10 Jahre wiederholt. Weitere Checks finden regelmäßig in Baden-Baden statt.

Daten und Technik[Bearbeiten]

Die Merkurbergbahn ist eine Standseilbahn mit einer Spurbreite von 1 m. Von der Talstation auf 287 m ü. NN bis zur Bergstation auf 657 m ü. NN überwindet sie 370 m Höhenunterschied und Steigungen von 23 % bis 54 %. Die Streckenlänge beträgt 1.192 m. Die beiden Wagen sind über ein Drahtseil fest miteinander verbunden, das in der Bergstation über eine Seilscheibe geführt wird. Da das Gewicht der beiden Wagen etwa gleich ist, muss nur geringe Energie aufgewendet werden, um sie zu bewegen. Der abwärtsfahrende Wagen zieht den aufwärtsfahrenden Wagen hoch. Für den zusätzlich nötigen Antrieb sorgt ein 125 kW/170 PS Motor in der Bergstation. In der Mitte der überwiegend eingleisigen Strecke befindet sich ein kurzer zweigleisiger Streckenabschnitt mit Abtscher Weiche. Hier fahren die Wagen aneinander vorbei. In den Wagen gibt es jeweils 18 Sitz- und 12 Stehplätze. Je nach Bedarf können die Fahrgäste die Abfahrt der Bahn wie bei einem Lift selbst bestimmen oder die Bahn fährt nach einem vorgegebenen Taktfahrplan. Die Fahrzeit beträgt 4 Minuten. Die Geschwindigkeit der Bahn kann in Abhängigkeit des Fahrgastaufkommens eingestellt werden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 6 m/s.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise:

  1. Tickets und Öffnungszeiten auf stadtwerke-baden-baden.de (abgerufen 28.12.2013)
  2. Rodeln am Merkur empfohlen auf kvv.de (abgerufen 28.12.2013)
  3. Merkurwebcam des Gleitschirmvereins Baden e.V.
  4. Baaden in der Marggraffschaft mit seinen Bädern von Alois Wilhelm Schreiber S.140 (online)
  5. Beschreibung von Baden bei Rastatt und seiner Umgebung von Johann Ludwig Klüber 1810 Cotta'sche Buchhandlung Tübingen S. 91 - 95 (online)
  6. Ulrich Coenen Von Aquae bis Baden-Baden - die Baugeschichte der Stadt und ihr Beitrag zur Entwicklung der Kurarchitektur Aachen, Mainz 2008, ISBN 3-8107-0023-1 S. 551