Aktionen

Antrag Weltkulturerbe

Aus Stadtwiki Baden-Baden

Die Kurstädte waren im 19. Jahrhundert in besonderer Weise Anziehungspunkt des gesellschaftlichen Lebens.

Die Stadt Baden-Baden möchte UNESCO Weltkulturerbe werden. Den Antrag hierzu stellt die Stadt im Verbund mit anderen Kurbädern in Europa unter dem Titel Great Spas of Europe. Mögliche Partner sind Vichy in Frankreich, Montecatini in Italien, Spa in Belgien, die tschechischen Kurbäder Karlsbad, Marienbad, Franzensbad und Bad Luhatschowitz, sowie Bath in England, die österreichischen Städte Baden bei Wien und Bad Ischl sowie Bad Ems, Bad Homburg, Bad Kissingen, Bad Pyrmont und Wiesbaden. Eine Entscheidung durch die UNESCO erfolgt jedoch frühestens nach einem langwierigen Prüfungsprozess. Dieser kann etliche Jahre dauern.

UNESCO Welterbe[Bearbeiten]

Der Titel UNESCO Welterbe wird an Stätten verliehen, die aufgrund ihrer Einzigartigkeit, Authentizität und Integrität weltbedeutend sind. Mit der Listung wird die herausragende universelle Bedeutung der Stätte festgestellt. Gemäß der Welterbekonvention von 1972 sind die Vertragsstaaten zum Schutz und Erhalt der in ihrem Gebiet gelegenen Welterbestätten verpflichtet. Einmal im Jahr tritt das Welterbekommitee zusammen und berät über Anträge der Mitgliedsstaaten. Anträge können dann angenommen, abgelehnt oder mit Bitte um weitere Informationen vertagt werden.

Siehe auch: UNESCO-Welterbe in der Wikipedia

Kurstädte des 19. Jahrhunderts als Welterbe[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert entstanden europaweit viele hundert Kurstädte und Modebäder und der Kurbetrieb wurde endgültig zum Massenphänomen. Möchte man heute einen oder einige wenige geeignete Vertreter für dieses Phänomen finden, um sie als Welterbe zu schützen, so gestaltet sich die Auswahl sehr schwierig. Im Jahr 2008 vertagte die Welterbekommision den Antrag der tschechischen Kurstadt Bad Luhatschowitz und bat zuerst um die Ausarbeitung einer "thematischen Studie zum Thermal-/Kurwesen weltweit". Seit dem ist klar, dass Alleingänge einzelner Kurstädte nicht erfolgsversprechend sind. Baden-Baden bewirbt sich daher im Verbund mit einer kleinen Gruppe anderer europäischer Kurstädte um das Prädikat Weltkulturerbe. Die enge Eingrenzung dieser Gruppe mit dem Titel "Great Spas of Europe" basiert dabei nicht nur auf medizin- und architekturgeschichtlichen Argumenten, sondern wird auch durch die kulturhistorische Bedeutung der Städte und deren Grad an Internationalität bestimmt. Somit liegt der Fokus auf Kurstädten und Modebädern des 19. Jahrhunderts, die als Experimentierfelder für die europaweiten gesellschaftlichen Veränderungsprozesse angesehen werden können und die im Massenphänomen des Kurbetriebs eine gewisse Vorreiterrolle einnahmen. In der Vergleichsstudie "Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts", die Andreas Förderer im Auftrag der Stadt Baden-Baden erarbeitete, nennt er die Städte Bath, Spa, das böhmische Bäderdreieck bestehend aus Karlsbad, Marienbad und Franzensbad, Baden-Baden und Vichy als Kerngruppe für die Bewerbung. Auch wenn die Bewerbung als Gruppe erfolgt, muss jede Stadt der Gruppe für sich genommen die Kriterien einer UNESCO Welterbestätte erfüllen.

Baden-Baden als Welterbe[Bearbeiten]

Baden-Baden gehört zur Kerngruppe der Bewerberstädte. Die Kurstadt an der Oos zeichnet sich durch eine bis heute hohe Internationalität aus, die zum Beispiel in der Beliebtheit Baden-Badens bei russischen Gästen greifbar wird. Für das 19. Jahrhundert belegen in Zeitungen publizierte Fremdenlisten das Internationale Publikum und die große Anzahl an prominenten Gästen. Zahlreiche Künstler verewigten Baden-Baden in ihren Werken und wohlhabende Gäste stifteten Gebäude. Neben den Therapieeinrichtungen entwickelte sich auch eine Freizeitinfrastruktur. Den im 19. Jahrhundert geprägten Charakter hat sich Baden-Baden bis heute erhalten und kann die Anforderungen der UNESCO an Überlieferungsqualität und Erhaltungszustand erfüllen. Im Zweiten Weltkrieg kam es in Baden-Baden nur zu geringfügigen Zerstörungen und in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde nur vereinzelt im historischen Teil der Stadt gebaut. Die Stadterweiterung vollzog sich vor allem in Richtung Nordwesten in die Rheinebene hinaus, so dass auch die Einbettung des historischen Stadtzentrums in die Landschaft erhalten blieb. Wichtige Baudenkmale und die großen Parkanlagen werden fachgerecht gepflegt.

Chronologie des Antrags Baden-Badens[Bearbeiten]

Vorbereitungen in Baden-Baden[Bearbeiten]

Am 18. Oktober 2006 fand im Palais Biron das Symposium "Kulturerbe als Grundlage von morgen" des Freundeskreises Lichtentaler Allee e.V. statt. Einen der Vorträge hielt die Delegierte der Kultusministerkonferenz beim Welterbekomitee der UNESCO, Frau Dr. Birgitta Ringbeck.[1]

Im Dezember 2006 übernahm Oberbürgermeister Wolfgang Gerstner die Schirmherrschaft über das Projekt Weltkulturerbe. Den Grundsatzentschluss, dass die Verwaltung alle Anstrengungen unternehmen soll, damit Baden-Baden in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen wird, fasste der Gemeinderat am 26. Februar 2007. Der Freundeskreis Lichtentaler Allee soll die Stadtverwaltung bei diesem Antrag unterstützen. Nach einem Vortrag zum UNESCO-Weltkulturerbe im März 2007 und einer Diskussion im Ältestenrat im Mai 2007 fand am 18. September 2007 ein Beratungstag und die konstituierende Sitzung des "Konzeptkreises" statt.

Im November 2007 stellte Herr Dr. Förderer seine Vorstudie "Weltkulturerbe Baden-Baden ?!" vor, die er im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und des Freundeskreises Lichtentaler Alle verfasst hatte. Am 22. November 2008 wurden in einem Workshop die Chancen des Baden-Badener Welterbeantrags evaluiert und die Ergebnisse am 01. Dezember 2008 dem Gemeinderat vorgestellt.

Kontaktaufnahme zu anderen Städten[Bearbeiten]

Am 23. Februar 2009 traf sich OB Gerstner und Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege Baden-Württemberg mit den Oberbürgermeistern der drei tschechischen Bäderstädte und Vertretern des Bezirks Karlsbad, um über die Chancen einer gemeinsamen Bewerbung zu sprechen.

In einer ersten Vortragsreihe der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und des Freundeskreises Lichtentaler Allee im März und April 2009 wurden der Aufstieg Baden-Badens zum Modebad, die Baugeschichte Baden-Badens und die Kurorte als Tourismusphänomen des 19. Jahrhundert näher beleuchtet. Am 06. Mai 2009 moderierte Frank Marrenbach eine Podiumsdiskussion zum Thema "Weltkulturerbe Baden-Baden ?!" im Kulturhaus LA8. Eine zweite Vortragsreihe von Oktober bis Dezember 2009 befasste sich mit weiteren Themen zu Baden-Baden und dem UNESCO-Weltkulturerbe.

Bei einem Workshop des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS, einer Unterorganisation der UNESCO, am 20. November 2009 in Berlin hielt Dipl.-Geogr. Volkmar Eidloth vom baden-württembergischen Landesamt für Denkmalpflege den Vortrag "Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts. Überlegungen zu einer transnationalen seriellen Nominierung für die Welterbeliste". Dabei stellte er auch die Bemühungen Baden-Badens vor.

Im März und April 2010 wurde der Kontakt zu Wiesbaden und Spa in Belgien aufgenommen, die für eine gemeinsame Bewerbung ebenfalls in Frage kommen.

Im Sommer 2010 legte Herr Dr. Förderer seine Vergleichsstudie "Playgrounds of Europe" vor. Darin zeigte er auf, wie eng das Kulturerbe einiger weniger europäischen Kurstädte miteinander verwoben ist.

Zielsetzung: Eine transnationale serielle Nominierung[Bearbeiten]

Vom 25. bis zum 27. November 2010 fand im Kongresshaus Baden-Baden eine Fachtagung zum Thema "Europäische Kurstädte und Modebäder des 19. Jahrhunderts" statt. Diese Tagung wurde gemeinsam vom deutschen Nationalkomitee von ICOMOS, dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg und der Stadt Baden-Baden veranstaltet und fokussierte sich vor allem auf die kulturgeschichtliche Bedeutung der Kurstädte im 19. Jahrhundert. Die Experten empfahlen einen transnationalen seriellen Antrag. Im Anschluss an die Veranstaltung trafen Vertreter der Städte Karlsbad, Franzensbad und Marienbad (Tschechien), Vichy (Frankreich), Spa (Belgien), Montecatini-Terme (Italien), Bath (England) und Wiesbaden und Baden-Baden zu Beratungen zusammen.

Am 22. Januar 2011 einigten sich die politische Vertreter der Städte Bath, Montecatini, Karlsbad, Spa, Vichy, Wiesbaden und Baden-Baden in Paris auf ein gemeinsames Vorgehen mit dem Ziel einer transnationalen seriellen Nominierung unter der Federführung Tschechiens. Am 23. Juli 2012 erklärte OB Wolfgang Gerstner rückblickend gegenüber dem Badischen Tagblatt, warum Tschechien den gemeinsamen Vorschlag einreichen solle: "Es geht nur über die tschechische Republik. Es gibt in Deutschland keine freien Plätze mehr für Anträge."[2] Als tschechischer Vorschlag könnte die Bewerbung schon vor 2020 zum Zug kommen.[3]

Treffen der Politiker und Experten[Bearbeiten]

In der Folge trafen sich die politischen Vertreter zuerst am 24. Juni 2011 in Karlsbad und dann am 04. und 05. November 2011 in Montecatini. Dabei besprachen sie die Bildung einer erfolgsversprechenden Bewerbergruppe und beschlossen die Einbindung fachlicher und politischer Gremien, sowie die Bildung einer Expertengruppe. Die Expertengruppe konstituierte sich im Januar 2012 in Karlsbad. Sie setzt sich aus je einem Vertreter der beteiligten Städte zusammen. Für Baden-Baden wurde der Historiker Dr. Förderer benannt. Herr Eidloth vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg ist ein unabhängiges Mitglied der Expertengruppe.

Nach einem weiteren Treffen der Bürgermeister in Bath am 24. und 25. März 2012, fand auch das zweite Expertentreffen vom 12. bis zum 14. Mai 2012 in Bath statt. Die Experten einigten sich darauf, dass ein Grundsatzpapier erstellt werden muss, das den Antrag und die Auswahl der Bewerberstädte wissenschaftlich begründet.

Am 30. Juli 2012 beschloss die baden-württembergische Landesregierung die Stadt Baden-Baden in ihren Bemühungen zur Aufnahmen in die UNESCO-Welterbeliste zu unterstützen und für die deutsche Tentativliste vorzuschlagen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte in diesem Zusammenhang, dass der bedeutende Kurort Baden-Baden ein "Kleinod" des Landes Baden-Württemberg sei.

Einem Treffen der Bürgermeister im August 2012 in Wiesbaden folgten zwei Treffen der Experten vom 05. bis 07. November 2012 in Montecatini und vom 26. bis zum 28. Februar 2013 in Bad Kissingen. Dabei wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet und man einigte sich schließlich auf ein wissenschaftliches Bewertungsverfahren zur Auswahl der Bewerberstädte.

Am 20. Juni 2013 nennt das Badische Tagblatt 11 Städte, die gerne zur Bewerbergruppe für das Welterbe gehören würden. Dies sind Baden-Baden, Bad Kissingen und Wiesbaden, Karlsbad, Franzensbad, Marienbad und Luhakovice, Spa, Vichy, Montecatini und Bath. Aus dieser Liste soll die Bewerbergruppe mit Hilfe des vereinbarten Auswahlverfahrens ermittelt werden. Danach werde diese Auswahl noch einmal neutral von einer holländischen Universität überprüft, bevor es dann zur Endgültigen Bewerbung komme.[3]

Im Herbst 2013 erhöhte sich die Zahl der an einer Bewerbung interessierten Städte auf 16. Neu mit dabei sind Bad Ems, Bad Pyrmont und Bad Homburg.[4] Außerdem möchten auch die Städte Baden bei Wien und Bad Ischl Weltkulturerbe werden.

Am 14. Oktober 2013 hielt Herr Eidloth einen Vortrag zum aktuellen Stand des Weltkulturerbeantrags im Kulturhaus LA8 in Baden-Baden. Seiner Meinung nach sollte eine Bewerbung 6,7 oder maximal 8 Bewerberstädte umfassen. Zu den Chancen Baden-Badens in die finale Gruppe der Bewerberstädte aufgenommen zu werden antwortete er zuversichtlich: "Die hohe Qualität Baden-Badens ist in der Gruppe unstrittig."

Vom 13. bis zum 16. Mai 2014 trafen sich Vertreter der Bäderstädte erneut. Der endgültigen Festlegung der Bewerberliste stehen Uneinigkeit über die anzuwendenden Kriterien und politische Interessen entgegen.[5] Baden-Baden steht gemeinsam mit Bad Ems, Bad Homburg, Bad Kissingen, Bad Pyrmont und Wiesbaden auf der deutschen Tentativliste.[6] Noch im Jahr 2014 wollte man sich auf die endgültige Bewerberliste einigen und dann sollte Tschechien 2015 die Bewerbung der UNESCO vorlegen.[4]

Am 05. Juni 2015 beteiligte sich Baden-Baden mit zwei Führungen erstmals am Unesco Welterbetag. Thema waren die städtebaulichen Besonderheiten der Kurstadt. Zu diesem Zeitpunkt ist der gemeinsame Welterbeantrag der europäischen Kurstädte für Januar 2017 geplant.[7]

Stand Mai 2016 und Ausblick[Bearbeiten]

Mitte Mai 2016 trafen sich die Bewerberstädt in Prag. Bei dem Treffen wurden 5 der 16 Städte von der Bewerberliste gestrichen. Baden-Baden verbleibt weiterhin auf der Liste. Der angestrebte Einreichungstermin hat sich wieder um ein Jahr nach hinten verschoben. Man möchte nun bis Januar 2018 die vollständige Bewerbung bei der UNESCO einreichen.[8]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise:

  1. Tagungsheft "Kulturerbe als Grundlage von morgen" 2006
  2. Artikel "Langer Weg zum Welterbe" im Badischen Tagblatt 24.07.2012
  3. 3,0 3,1 Artikel "Richtung Welterbe geht's langsam voran" im Badischen Tagblatt 20.06.2013
  4. 4,0 4,1 Artikel "Nun wollen 14 Städte Welterbe werden" im Badischen Tagblatt 26.09.2013
  5. Artikel "Kulturerbe: Bewerbung stockt" im Badischen Tagblatt 03.05.2014
  6. Deutsche Tentativliste (Stand 23.07.2013)
  7. Artikel "Baden-Baden ist eine herausragende Perle" von Peter Fauth-Schlag im Badischen Tagblatt 08.06.2015
  8. Artikel "Welterbe: Fünf Städt fliegen raus" von Sarah Kern im Badischen Tagblatt 14.05.2016